Wie Diversifikation zur Verringerung des Portfoliorisikos beiträgt

Wie Diversifikation zur Verringerung des Portfoliorisikos beiträgt

Diversifikation beim Anlegen bedeutet, das Geld auf verschiedene Anlageklassen, Sektoren oder geografische Regionen zu verteilen, damit das Portfolio nicht zu stark von einem Faktor abhängt. In diesem Blog erfahren Sie, was Diversifikation wirklich bedeutet, warum sie funktioniert, was sie nicht leisten kann und wie sie sich für Anlegerinnen oder Anleger in der Praxis umsetzen lässt.

Wichtig ist zuerst: Diversifikation ist eine Strategie des Risikomanagements – keine Strategie zur Erhöhung der Rendite. Ziel ist es nicht, die Gewinne zu maximieren, sondern die Schwankungen und das Verlustrisiko eines Portfolios über die Zeit zu verringern.

Wenn Anlegende von Diversifikation sprechen, meinen sie meist die Verteilung der Anlagen über verschiedene Dimensionen, zum Beispiel:

  • Anlageklassen: Anlegende halten sowohl Aktien als auch Obligationen.
  • Sektoren und Branchen: Die Anlagen konzentrieren sich nicht ausschliesslich auf beispielsweise Technologieunternehmen.
  • Geografische Regionen: Anlegende investieren in inländische und ausländische Aktien.
  • Verschiedene Unternehmen: Anlegende besitzen Anteile an mehreren Unternehmen und nicht nur an einem.

Jede dieser Ebenen bietet eine andere Form von Schutz. Ein Portfolio beispielsweise, das nur innerhalb eines Sektors diversifiziert ist, also ausschliesslich aus Schweizer Bankaktien besteht, ist nicht wirklich diversifiziert, selbst wenn es 20 verschiedene Unternehmen umfasst.

Wie reduziert Diversifikation das Anlagerisiko?

Der risikoreduzierende Effekt von Diversifikation hängt mit dem Konzept der Korrelation zusammen – einem statistischen Mass dafür, wie sich die Renditen zweier Anlagen im Zeitverlauf zueinander verhalten.

  • Anlagen mit hoher positiver Korrelation bewegen sich tendenziell gleichzeitig in dieselbe Richtung. Wer zehn stark korrelierte Aktien besitzt, ist wenig geschützt, wenn alle gleichzeitig fallen.
  • Anlagen mit tiefer oder negativer Korrelation entwickeln sich eher unabhängig voneinander oder gegensätzlich. Fällt eine Anlage, bleibt die andere möglicherweise stabil oder steigt.

Deshalb ist die Kombination unterschiedlicher Anlageklassen – zum Beispiel Aktien mit Obligationen oder Immobilienanlageinstrumenten – oft wirksamer als Diversifikation im Rahmen von reinen Aktienportfolios. Die Mischung ist wichtiger als die blosse Anzahl der Positionen.

Die moderne Portfoliotheorie, entwickelt in den 1950er-Jahren von Harry Markowitz, zeigt, dass sich für ein gegebenes Renditeziel das Risiko reduzieren lässt, indem man Anlagen kombiniert, die sich nicht im Gleichschritt bewegen.

Kann Diversifikation das Anlagerisiko vollständig eliminieren?

Ein Punkt, den viele Einsteigerinnen und Einsteiger unterschätzen: Diversifikation kann nicht alle Risiken ausschalten.

Das Anlagerisiko lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen:

  • Unsystematisches Risiko (auch spezifisches oder idiosynkratisches Risiko) bezieht sich auf Risiken einzelner Unternehmen, Sektoren oder Anlagen. Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation deutlich reduzieren: Wenn ein Unternehmen in einen Bilanzskandal gerät oder ein bestimmter Sektor stärker reguliert wird, ist ein breit diversifiziertes Portfolio von einem einzelnen Ereignis weniger stark betroffen. Dieses Risiko lässt sich durch eine grosse Anzahl von verschiedenen Aktien reduzieren.
  • Systematisches Risiko (Marktrisiko) betrifft den gesamten Markt oder die Gesamtwirtschaft. Rezessionen, Zinsänderungen, geopolitische Krisen oder globale Gesundheitsereignisse gehören dazu. Gegen systematische Risiken hilft Diversifikation kaum, weil in solchen Phasen viele Anlagen, trotz breiter Streuung, gleichzeitig an Wert verlieren.

Diese Unterscheidung ist zentral. Wer Diversifikation als komplettes Sicherheitsnetz versteht, kann in breiten Marktabschwüngen überrascht werden.

Bedeutet eine grosse Anzahl Aktien automatisch Diversifikation?

Nicht unbedingt. Fünfzig Aktien aus demselben Land und demselben Sektor sind weniger diversifiziert als zehn Aktien, die sich auf unterschiedliche Branchen, Anlageklassen und Regionen verteilen.

Echte Diversifikation zielt darauf ab, Klumpenrisiken zu reduzieren – also keine zu hohe Konzentration auf eine einzelne Risikoquelle wie ein Unternehmen, einen Sektor, ein Land oder eine Währung. Eine Person, deren gesamtes Portfolio aus grosskapitalisierten Schweizer Aktien besteht, trägt ein erhebliches Konzentrationsrisiko, selbst wenn dieses Portfolio alle Titel des SMI umfasst.

Die Beimischung anderer Anlageklassen, zum Beispiel ETFs auf internationale Indizes oder festverzinsliche Wertpapiere, kann die Diversifikation deutlich verbessern und das Verhältnis von Risiko und Rendite optimieren.

Worin unterscheiden sich Diversifikation und Asset Allocation?

Die beiden Begriffe hängen eng zusammen, bedeuten aber nicht dasselbe.

Asset Allocation bezeichnet die strategische Aufteilung eines Portfolios auf die wichtigsten Anlagekategorien – typischerweise Aktien, festverzinsliche Anlagen und liquide Mittel. Sie richtet sich nach Risikofähigkeit, Risikobereitschaft, Anlagehorizont und finanziellen Zielen einer Anlegerin oder eines Anlegers.

Diversifikation meint die Verteilung innerhalb und zwischen diesen Anlagekategorien, um Klumpenrisiken zu verringern.

Vereinfacht gesagt: Die Asset Allocation definiert die Grundstruktur des Portfolios, Diversifikation füllt diese Struktur mit Inhalt und sorgt für die Streuung. Ein sorgfältig aufgebautes Portfolio braucht beides.

Was ist Überdiversifikation?

Vereinfacht gesagt: Die Asset Allocation definiert die Grundstruktur des Portfolios, Diversifikation füllt diese Struktur mit Inhalt und sorgt für die Streuung. Ein sorgfältig aufgebautes Portfolio braucht beides.

Was ist Überdiversifikation?

Es ist möglich, «zu viel» zu diversifizieren. Von Überdiversifikation, im Englischen gelegentlich als «diworsification» bezeichnet, spricht man, wenn ein Portfolio so viele Positionen enthält, dass der zusätzliche Nutzen jeder weiteren Anlage kaum noch ins Gewicht fällt.

Ab einem gewissen Punkt verringert jede neue Position das Risiko kaum, erhöht aber die Komplexität, kann zusätzliche Transaktionskosten verursachen und erschwert es, den Überblick zu behalten und das Portfolio sinnvoll auszubalancieren.

Die meisten Studien legen nahe, dass ein Portfolio aus etwa 15 bis 30 sorgfältig ausgewählten, tatsächlich wenig korrelierten Anlagen den Grossteil der Diversifikationseffekte abdeckt. Darüber hinaus sind die zusätzlichen Verbesserungen bei der Risikoreduktion gering.

Welche Diversifikationsfehler sollten Anlegerinnen und Anleger vermeiden?

Selbst erfahrene Anlegerinnen und Anleger machen beim Diversifizieren Fehler. Zu den häufigsten gehören:

  • Verwechslung von Menge und Qualität: Wenn Sie viele Fonds oder ETFs halten, die denselben oder einen sehr ähnlichen Index abbilden, entsteht keine echte Diversifikation, sondern Überschneidung und Redundanz.
  • Korrelation ignorieren: Anlagen hinzuzunehmen, die sich nur dem Namen nach unterscheiden, sich in der Praxis aber ähnlich verhalten, bietet wenig zusätzlichen Schutz. In Stressphasen an den Märkten können die Korrelationen zwischen den Anlageklassen deutlich ansteigen.
  • Geografische Diversifikation vernachlässigen: Viele Anlegende weisen einen ausgeprägten «Home Bias» auf – sie gewichten ihren Heimatmarkt stärker als es im globalen Kontext sinnvoll wäre. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger kann das bedeuten, dass sie vor allem Schweizer oder europäische Aktien halten und andere Regionen untergewichten.
  • Nicht regelmässig auszubalancieren: Mit der Zeit verändern Marktbewegungen die Gewichtung der einzelnen Positionen. Ein ursprünglich ausgewogenes Portfolio kann sich deutlich verschieben, wenn eine Anlageklasse lange überdurchschnittlich läuft.
  • Auf Rebalancing verzichten: Das periodische Anpassen der Positionen zurück zur angestrebten Struktur ist ein notwendiger Wartungsschritt, den viele Anlegende übersehen.
  • Diversifikation als Ersatz für Analyse ansehen: Diversifikation reduziert die Kosten, wenn Sie bei einer einzelnen Anlage falsch liegen. Sie ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung damit, was Sie im Portfolio halten und warum.

Wie kann ein praktischer Einstieg in ein diversifiziertes Portfolio aussehen?

Für Privatanlegerinnen und Privatanleger, die sich zum ersten Mal mit Diversifikation beschäftigen, sind insbesondere folgende Grundsätze hilfreich:

  • Verstehen Sie zunächst Ihre Risikotoleranz und Ihren Anlagehorizont. Diese beiden Faktoren sollten Ihre Asset Allocation bestimmen, bevor Sie entscheiden, wie Sie innerhalb der einzelnen Kategorien diversifizieren. Eine jüngere Person mit langem Anlagehorizont kann in der Regel mehr kurzfristige Schwankungen aushalten und Aktien höher gewichten; eine Person kurz vor der Pensionierung wird eher den Kapitalerhalt priorisieren und den Fokus stärker auf festverzinsliche Anlagen legen.
  • Nutzen Sie breit diversifizierte ETFs oder Anlagefonds als kostengünstigen Einstieg. Ein einzelner ETF, der einen globalen Index abbildet, bietet Ihnen unmittelbaren Zugang zu Hunderten oder Tausenden von Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Sektoren – ein pragmatischer Ausgangspunkt für Diversifikation.
  • Prüfen Sie Ihr Portfolio regelmässig. Märkte verändern sich und Ihre persönliche Situation ebenfalls. Ein Rebalancing in festen Abständen hilft, Ihr Portfolio wieder an Ihre ursprüngliche Zielstruktur anzupassen.