Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Swiss Bond Index?
- Welche Anleihen qualifizieren sich?
- Warum ist das Mindestrating wichtig?
- So werden Subindizes gebildet
- ESG-Integration: Nachhaltigkeit im Anleihenmarkt
- Monatlicher Rhythmus: Stabilität durch klare Prozesse
- So nutzen Marktteilnehmer den Swiss Bond Index
- Wer entwickelt den SBI weiter?
Was ist der Swiss Bond Index?
Ein Anleihenindex (Bond Index) bildet die Wertentwicklung eines repräsentativen Portfolios von Anleihen ab. Er dient Investorinnen und Investoren als Massstab, an dem sie die Performance ihrer eigenen Anlagen messen können. Der Swiss Bond Index (SBI) ist der breiteste Anleihen-Benchmark von SIX und bildet die Entwicklung des Anleihenmarktes in Schweizer Franken ab. Er dient als Basis für alle weiteren Anleihen-Indizes von SIX und sämtliche Subindizes werden aus dem SBI abgeleitet. Als Benchmark liefert er wichtige Informationen über die inländischen Zinssätze und damit über den Schweizer Kapitalmarkt insgesamt.
Welche Anleihen qualifizieren sich?
Nicht jede in der Schweiz gehandelte Anleihe findet Eingang in den SBI. Um als Indexkomponente aufgenommen zu werden, muss eine Anleihe klar definierte Zulassungskriterien erfüllen:
- Kotierung: Die Anleihe muss an der SIX Swiss Exchange kotiert sein.
- Währung: Nur Anleihen in Schweizer Franken sind zulässig.
- Mindestvolumen: Das Nominalvolumen muss mindestens 100 Millionen Franken betragen.
- Couponstruktur: Grundsätzlich werden nur Anleihen mit festem Coupon oder ähnlicher Ausprägung berücksichtigt.
- Restlaufzeit: Die verbleibende Laufzeit muss mindestens ein Jahr betragen. Perpetual Bonds, also Bonds mit unbestimmter Laufzeit, sind nicht zugelassen.
- Mindestrating: Jede Anleihe benötigt ein SBI Composite Rating von mindestens BBB (siehe unten).
Anleihen, die diese Anforderungen nicht mehr erfüllen, werden beim nächsten monatlichen Überprüfungszyklus aus dem Index entfernt. Damit liefert der SBI stets ein aktuelles Abbild des investierbaren Marktes.
Warum ist das Mindestrating wichtig?
Das SBI Composite Rating ist ein regelbasierter Datenpunkt, den SIX für jede Anleihe ermittelt. Es ist jedoch kein eigenständiges Kreditrating. SIX erstellt selbst keine Kreditratings und beurteilt auch nicht die Bonität eines Emittenten oder einer Emission. Stattdessen setzt SIX das SBI Composite Rating aus mehreren externen Ratings durch die Berechnung des Medians zusammen und klassifiziert damit die Anleihen. Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit eines Anleihen-Emittenten auf einer Buchstabenskala, üblicherweise von AAA (höchste Bonität, minimales Ausfallrisiko) bis D (Zahlungsausfall). Die Grenze zwischen sicheren und spekulativen Anleihen liegt bei BBB–. Alles ab BBB aufwärts gilt aus Kundensicht als anlagewürdig, während Anleihen mit BB oder schlechter als risikoreich eingestuft werden.
Anleihen unterhalb eines SBI Composite Ratings von BBB sind vom Index ausgeschlossen.
Dieses Vorgehen stellt sicher, dass der SBI ausschliesslich Anleihen mit geringem Zahlungsausfallsrisiko enthält. Dies ist ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für institutionelle Anleger, die den Index als Benchmark oder als Basis für Anlageprodukte nutzen.
So werden Subindizes gebildet
Die eigentliche Stärke der SBI-Methodologie liegt in ihrer Flexibilität, verschiedene Marktsegmente zu messen. Durch das Anwenden von Filtern auf den breiten SBI entsteht eine ganze Familie von spezifischen Subindizes. SIX stellt insgesamt sechs Filter zur Verfügung, die unabhängig voneinander kombinierbar sind:
- SBI Composite Rating: Die Unterteilung nach Bonitätsstufen erlaubt es Investorinnen und Investoren, gezielt nur in Anleihen mit höchster Kreditqualität (AAA) oder über das gesamte Investment-Grade-Spektrum (AAA–BBB) zu investieren, je nach eigener Risikobereitschaft und regulatorischen Vorgaben.
- Sektorklassifikation: SIX verwendet eine eigene Bond-Taxonomie, um die Anleihen des SBI-Universums anhand der Art der Besicherung einer Anleihe und/oder der Geschäftstätigkeit des Emittenten zu klassifizieren. Sie ist in drei Stufen unterteilt. Auf der ersten Stufe wird beispielsweise zwischen Anleihen des öffentlichen Sektors, besicherten Anleihen und Unternehmensanleihen unterschieden. Die weiteren Stufen nehmen zusätzliche Unterteilungen vor und erlauben so präzise Allokationsentscheide. Das gilt etwa für institutionelle Anleger, die regulatorisch verpflichtet sind, bestimmte Anteile in Public-Sector-Anleihen zu halten.
- Domizil: Wer ausschliesslich in inländische Emittenten aus der Schweiz und Liechtenstein investieren möchte, kann mit diesem Filter gezielt das «Heimmarkt-Exposure» seines Portfolios steuern und ausländische Emittenten ausschliessen.
- Nominalvolumen: Höhere Mindestvolumina sorgen für bessere Handelbarkeit und Liquidität der Indexkomponenten. Das ist ein wichtiges Kriterium für institutionelle Anleger, die grosse Positionen ohne Auswirkungen auf den Markt aufbauen oder abbauen müssen.
- Restlaufzeit: Die Laufzeitbänder sind besonders relevant für das sogenannte Duration-Management: Kurzläufer (1–3 Jahre) reagieren weniger sensibel auf Zinsänderungen als Langläufer (10+ Jahre). Dies kann ein entscheidender Faktor in Phasen volatiler Zinsmärkte sein.
- ESG-Attribute: Emittenten, die die Nachhaltigkeitskriterien nicht erfüllen, werden ausgeschlossen.
Diese Filterlogik macht den SBI zum Baukasten: Aus einem Index entsteht ein ganzes Ökosystem an massgeschneiderten Benchmarks für unterschiedliche Anlagestrategien und Risikoprofile. Jeder Anleihenindex wird als Preis- und Total-Return-Variante berechnet. Die Preisvariante zeigt die reine Kursentwicklung. Die Total-Return-Variante berücksichtigt zusätzlich Couponzahlungen, also die regelmässigen Zinszahlungen einer Anleihe. Zusätzlich berechnet SIX Yield, Duration, Spread to Government und Spread to Swap. Yield bezeichnet die Rendite einer Anleihe. Duration zeigt, wie stark eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Spread to Government misst den Renditeabstand zu Staatsanleihen. Spread to Swap misst den Renditeabstand zum Swap-Satz. Alle Kennzahlen basieren auf der gleichen Indexkomposition, also auf denselben Anleihen im Index. Die Gewichtung der Anleihen bei der Indexberechnung erfolgt nach dem Marktwert. Dieser ergibt sich aus dem Nominalwert einer Anleihe multipliziert mit dem Geldkurs.
Gerade die Kennzahl Duration spielt für Investoren wie Pensionskassen eine wichtige Rolle, um beispielsweise die zukünftigen Zahlungsverpflichtungen mit einem geeigneten Anleihenportfolio abzusichern. SIX bietet ebenfalls an, Bond-Indizes nach kundenspezifischen Vorgaben zu berechnen. Neben den obigen sechs Filterkriterien können dann auch kundeneigene Daten in den Auswahlprozess integriert werden.
ESG-Integration: Nachhaltigkeit im Anleihenmarkt
Mit den ESG-Indizes zum SBI hat SIX die Nachhaltigkeitsdimension direkt in die Indexmethodologie integriert. Emittenten werden durch Inrate anhand verschiedener Datenpunkte bewertet und eingestuft. Zusätzlich fliessen die Ausschlussempfehlungen von SVVK-ASIR ein.
Die ESG-Filter schliessen Emittenten aus, die bestimmte Umsatzschwellen in kritischen Sektoren überschreiten, etwa in der Förderung fossiler Brennstoffe, der Stromerzeugung mit hoher Treibhausgasintensität oder bei kontroversen Waffen. Auch Verletzungen der OECD-Leitsätze oder des UN Global Compact können zum Ausschluss führen. Im Gegensatz zum traditionellen SBI gab es über die letzten Jahre bei den ESG-Indizes zum SBI öfter Anpassungen des Regelwerks, um die neuesten regulatorischen Entwicklungen zu reflektieren.
Monatlicher Rhythmus: Stabilität durch klare Prozesse
Ein zentrales Prinzip der SBI-Methodologie ist die Stabilität durch klar getaktete Prozesse. SIX ändert die Zusammensetzung des Index monatlich. Zum ersten Handelstag eines Monats treten Anpassungen in Kraft, die bis zum 20. des Vormonats kommuniziert wurden. Diese Vorlaufzeit ermöglicht es den institutionellen Investoren, ihre Strategie oder das Portfolio anzupassen.
So nutzen Marktteilnehmer den Swiss Bond Index
Neben der Performancemessung und ökonomischen Analysen liegt die hauptsächliche Verwendung des SBI im Asset Management. Indexfonds, Exchange Traded Funds (ETFs) und Mandate replizieren die jeweilige SBI-Variante. Die Endkunden sind meistens Schweizer Pensionskassen, aber auch Privatpersonen stehen die Finanzprodukte offen.
Weiterhin nutzt das aktive Portfoliomanagement den SBI als Basisuniversum für die weitere Portfolioauswahl. Anleihen ausserhalb dieses Universums können dann durch den Portfoliomanager nicht berücksichtigt werden.
Die grössten Emittenten im Markt für Anleihen in Schweizer Franken und im SBI sind traditionell die zwei Schweizer Pfandbriefbanken und die Eidgenossenschaft mit zusammen über 40 % Gewicht.
Wer entwickelt den SBI weiter?
Die Pflege und Weiterentwicklung des SBI liegt beim Indexteam von SIX, unterstützt durch die Bond-Index-Kommission. Diese tritt mindestens zweimal jährlich zusammen und bringt Inputs aus dem Markt für Regeländerungen und neue Produkte ein.
Materielle Änderungen des Regelwerks werden grundsätzlich drei Monate vor Inkrafttreten öffentlich angekündigt und in aller Regel mit dem monatlichen Überprüfungszyklus abgestimmt, um unnötige Marktauswirkungen zu vermeiden. Bei wesentlichen potenziellen Regeländerungen sind Marktkonsultationen mit Kunden und anderen Anspruchsgruppen vorgesehen. Eine Registrierung für den Index Newsletter Swiss Bond Indizes ist auf der Website von SIX möglich.
Der SBI bietet eine regelbasierte, monatlich gepflegte Referenz für den gesamten investierbaren Markt für Anleihen in Schweizer Franken. Er ist transparent, replizierbar und wird laufend weiterentwickelt. Ob als Benchmark für ein Portfolio, als Basis für Exchange Traded Funds (ETFs) und Anlagefonds oder als ESG-konformer Referenzindex: Der SBI und seine Subindizes bieten eine präzise und verlässliche Grundlage für fundierte Anlageentscheide.
Aktuelle Indexzusammensetzung, Selektionslisten und historische Daten zum SBI finden Sie direkt hier