Zitat des Monats

«Open Banking payment solutions are built for the digital, mobile-enabled world, making them an excellent solution for modern shopping.»

Tim Munto, Senior Vice President ACH & Online Banking bei der Zahlungsanbieterin Nuvei in einem Interview mit The Paypers über den Vorteil von Open Banking im Zahlungsbereich

Open Banking aktuell


Läutet PostFinance das Zeitalter der Open-Banking-Zahlungen in der Schweiz ein?

«PostFinance greift Kreditkartenfirmen mit neuem Bezahlsystem an», titelte vergangene Woche die Handelszeitung (Paywall). Am diesjährigen Swiss Payment Forum kündigte die Schweizer Bank demnach eine neue Zahlungslösung für den Onlinehandel mit dem Codenamen PostFinance Pay an. Bereits 2023 sollen KundInnen damit bequem online einkaufen und bezahlen können. 

Spannend und noch offen bleibt die Frage, wie die PostFinance die neue Zahlungslösung umsetzt. Wir gehen stark von einem Open-Banking-Ansatz aus, der es KundInnen erlaubt, im Onlineshop direkt eine Konto-zu-Konto-Zahlung auszulösen. Zusätzlich sollen Händler über PostFinance Pay aber auch bestimmte Kundendaten, wie z.B. das Geburtsdatum für Produkte mit Altersbeschränkung oder Empfängeradressen direkt von der Bank beziehen können. Das passiert natürlich – ganz im Sinne von Open Banking – nur mit dem Einverständnis der KundInnen. Der Vorteil: Letztere müssen die Daten beim Check-out nicht selbst eingeben. Interessant wird sein, wie die entsprechenden Consent Flows, also die Prozesse für die Freigabe der Zahlungen einerseits und der Kundendaten andererseits, funktionieren. Beim Zahlen dürfte dies ähnlich aussehen wie heute bei Twint, d.h. man wählt beim Check-out PostFinance Pay als Zahlungsmethode aus und gibt die Freigabe dann via Mobile-App der Bank (alternativ im folgenden Demovideo von TrueLayer dargestellt). Lösung hin oder her: Die PostFinance setzt sich aktuell mit klassischen Fragestellungen auseinander, für die Open Banking passende Lösungsansätze bietet. Wir freuen uns deshalb darauf, zu sehen, wie die das Finanzinstitut diese beantwortet.

Liegen wir mit unserer Vermutung richtig, scheint ein Trend, den wir international bereits intensiv beobachten (siehe u.a. OBM-Juli oder OBM-September) auch in der Schweiz zuzunehmen: Open-Banking konkurrenziert bestehende Zahlungsinfrastrukturen, insbesondere die etablierten Kartennetzwerke (warum Open Banking übrigens gerade für den eCommerce so attraktiv ist, bringt dieses Interview auf den Punkt). Richtig deutlich machte diese Entwicklung kürzlich erneut eine News von Mastercard, gemäss der ausgerechnet die Kartengesellschaft die neue Open-Banking-Zahlungslösung «Pay-by-Bank» der US-Bank JP Morgan umsetzen soll. Notabene: Mastercard hatte letztes Jahr die API-Plattform Aiia gekauft, Visa folgte nach der gescheiterten Übernahme von Plaid mit dem milliardenschweren Zukauf von Tink. Die grossen Kartennetzwerke nehmen die neue Konkurrenz ernst. Andere Zahlungsanbieter folgen dem Beispiel. So zum Beispiel GoCardless, die im Juli die Akquisition der lettischen Plattform Nordigen ankündigten. In der UK verzeichnen Open-Banking-Zahlungen seit längerem ein kontinuierliches Wachstum (siehe Grafik unten) und im PSD2-Raum verordnete die Europäische Kommission Ende Oktober, dass das Angebot von Instant Payments künftig für alle EU-Banken obligatorisch wird. Letzteres dürfte auch die Schleusen für PIS-basierte Zahlungen öffnen, die in der EU bisher eher stagnieren.

Anzahl erfolgreicher Open-Banking-Zahlungen in der UK, Quelle: https://www.openbanking.org.uk/api-performance/

In der Schweiz stellt sich jetzt die spannendste aller Fragen: Wie reagiert der Markt auf PostFinance Pay? Mit Twint verfügen die Banken grundsätzlich schon über eine Lösung, die (auch) im Onlinehandel eine attraktive User Experience ermöglicht. Aber: Mit PostFinance Pay positioniert PostFinance ihren Brand prominent im Schweizer Onlinehandel, neben Grössen wie Mastercard, Visa, PayPal, Klarna oder eben Twint – und zwar exklusiv als einzige Schweizer Bank. Ein starker Differenzierungsfaktor und damit auch ein möglicher Grund für die Konkurrenz, hier nachzuziehen.

Bei der Umsetzung ihrer neuen Lösung kann die PostFinance auf ihre Marktgrösse setzen. Andere Grossbanken wären ebenfalls gross genug, um eigene Lösungen zu lancieren. Würde sich so etwas aber auch für Kantonal- und Regionalbanken rechnen? Hier bietet sich eine Umsetzung über einheitliche Standardschnittstellen und eine zentrale Plattform wie bLink an. Sowohl Banken als auch Onlinehändler könnten dabei auf bestehende Kernelemente von bLink zurückgreifen, wie die Due Diligence der Gegenparteien, ein fertiges Vertragswesen und einen standardisierten Consent Flow.

Wir dürfen auf jeden Fall gespannt sein, was PostFinance Pay im Schweizer Markt bewirken wird. Die Handelszeitung schreibt abschliessend: «Im besten Fall [dasselbe] wie bei Twint: Post und Banken entwickeln parallel ähnliche Systeme und führen diese irgendwann zusammen. Im schlechtesten Fall liefern sich PostFinance und die Banken einen teuren Kampf und verlieren dennoch gegen die global operierenden Kreditkartenfirmen oder die IT-Giganten Google und Apple.»

Interview mit Nicolas Brügger, SIF: Einblick in das Thema Open Data


Herr Brügger, was war die Motivation hinter dem Roundtable des SIF in Singapur?

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Singapur sind im Bereich der Innovation im Finanzsektor sehr eng. Das Singapore FinTech Festival ist eine Schwesterveranstaltung des Point Zero Forums, das das SIF zusammen mit Singapur jährlich in Zürich organisiert (nächstes Jahr übrigens am 26.-28. Juni 2023). Der Roundtable im Rahmen des Singapore Fintech Festivals hat in diesem Kontext der guten Zusammenarbeit stattgefunden. Darüber hinaus ging es natürlich auch darum, zu erfahren, welche spannenden Entwicklungen es in den Bereichen Open Banking, Open Finance und Open Data in anderen Ländern gibt und welche Lehren die Schweiz daraus ziehen kann. 
 

Wer war die Zielgruppe des Roundtables und was waren interessante Diskussionspunkte?

Die Mehrheit der Teilnehmenden waren Vertreterinnen und Vertreter des Privatsektors, unter anderem Finanzinstitute und Fintechs. Im Kern wurden drei Themen diskutiert, zu denen die Teilnehmenden folgende Meinungen äusserten:

  • Der Weg geht über Open Banking hinaus Richtung Open Data: Die Entwicklungen sollten dabei darauf abzielen, die Bedürfnisse der Kunden zu adressieren, und Use-Case-getrieben sein.
  • Grenzüberschreitendendes Open Finance: Die (Daten-)Ströme zwischen den Ländern sind noch gering, vor allem aufgrund unterschiedlicher regulatorischer Anforderungen und fehlender internationaler Standards. In diesem Zusammenhang herrschte deshalb grosses Interesse am Schweizer OpenWealth-Standard, den der Verein im Rahmen des Roundtables vorstellte.
  • Vertrauen in Open Banking, Konsumentenschutz und digitale Identität: Das Vertrauen und der Schutz der Kunden sind von zentraler Bedeutung. Abgesehen von ihrem offensichtlichen intrinsischen Wert kann der Markt ohne diese Elemente nicht funktionieren. Sie können durch eine direkte Regulierung oder durch glaubwürdige und wirksame Massnahmen der verschiedenen Privatakteure gewährleistet werden. Das betrifft zum Beispiel die Prüfung und Zertifizierung von Drittanbietern, die auf Kundendaten zugreifen möchten.
     

Gibt es Unterschiede bei der Einstellung, mit der die Finanzakteure der verschiedenen Länder dem Thema Open Banking gegenüberstehen?

Zweifellos können die Innovationslandschaft und das Verhältnis (insbesondere das Machtverhältnis) zwischen den verschiedenen Akteuren je nach Land sehr unterschiedlich sein. In Asien beispielsweise haben sich mehrere Länder sehr schnell entwickelt und sind unbelastet von Legacy-Infrastrukturen. In diesen Ländern ist es auch nicht ungewöhnlich, dass grosse (ursprünglich nicht-finanzielle) Plattformen eine wichtige Rolle als Treiberinnen von Open Banking spielen. 

Die Art und Weise der Regulierung hat natürlich auch einen großen Einfluss darauf, wie die Öffnung von Schnittstellen beurteilt wird. Australien ist mit seinen Open-Data-Anforderungen ein gutes Beispiel. Finanzinstitute scheinen eher bereit zu sein, den Zugang zu Schnittstellen zu öffnen, da sie selbst ebenfalls von Daten aus anderen Sektoren profitieren können (Ausweitung des Umfangs Schritt nach Schritt). So betrifft die Pflicht seit kurzem auch den Energiesektor. Basierend auf diesen Daten hoffen die Banken, die Energiewende besser finanzieren zu können, beispielsweise durch eine präzisere Kreditvergabe für Solaranlagen.
 

Welche Insights nehmen Sie aus der Diskussion für die Schweiz mit?

Daten, Daten, Daten! Unsere digitale Wirtschaft braucht Daten. Das Thema war in aller Munde. Die generelle Meinung ist, dass das Land, dem es zuerst gelingt, das volle Potenzial von Daten zu nutzen, einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen Ländern gewinnen wird. Der Zugang zu Daten wird mit technologischen Fortschritten, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, immer kritischer. Entwicklungen wie Open Data, Open Government Data und Datenpooling werden dann zu zentralen Faktoren. Eine ständig wachsende Datenmenge bedeutet aber natürlich auch, dass es immer wichtiger wird, den Schutz der Kunden und ihre Selbstbestimmung zu stärken. 
 

Und welche Zukunft sehen Sie persönlich für die Entwicklung von Open Finance in der Schweiz: Weiterhin marktgetrieben oder schlussendlich doch reguliert?

Ich mache diesbezüglich keine Prognosen. Klar ist jedoch, dass der Bundesrat an einen marktgetriebenen Ansatz glaubt. Das schreibt er in seinem Bericht zu Digital Finance vom Februar 2022. In diesem Bericht stellt er aber auch fest, dass ein solcher Ansatz nur mit einer aktiven Mitwirkung der Finanzinstitute erfolgreich sein kann. Aus diesem Grund hat er das SIF beauftragt, weiterhin regelmässig den Handlungsbedarf zur Förderung und Ausweitung von Open Finance zu prüfen, einschliesslich der Prüfung einer gesetzlichen Pflicht. 
 

Vielen Dank für das Interview, Herr Brügger!

Weiter in den News

Auch Wordline setzt auf Konnektivität und verkündet eine strategische Partnerschaft mit der norwegischen API-Plattform Neonomics. Artikel (EN)

Visa will gemeinsam mit Credi2 «Buy Now, Pay Later» per Zahlungskarte und direkt am stationären Point of Sale ermöglichen. Artikel (DE)

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Use Case des Monats


Warum Datenaggregatoren ein wichtiges Schlüsselelement im Open Banking sind

In ihrem letztjährigen Report The ongoing rise of open financial data hielt die Strategieberatung McKinsey fest, dass zukünftig vermutlich einige wenige zentrale Plattformen den Grossteil der weltweiten Open-Finance-Infrastruktur bereitstellen werden. Eine Prognose, die sich angesichts des aktuellen Konsolidierungstrends nach und nach zu bewahrheiten scheint. Grosse Zahlungsanbieterinnen kaufen führende Plattformen wie Tink, Aiia oder Nordigen und in verschiedenen Märkten gründen Banken gemeinsam zentrale Plattformen wie Akoya in den USA, LUXHUB in Luxemburg, Wallis in Deutschland oder auch bLink in der Schweiz.

Was rechtfertigt diesen Trend? Zunächst bieten zentrale und idealerweise standardisierte Plattformen ein hohes Skalierungspotenzial. Sie erlauben Datenanbietern ihre API-basierten Services effizient im Markt zu exponieren und Datenkonsumenten mit relativ geringem Investitionsaufwand im Markt ein- bzw. aufzusteigen. Plattformen sind also in erster Linie eine attraktive Möglichkeit, sich an das Ökosystem Open Banking anzuschliessen. Konnektivität herzustellen markiert aber nur den Anfang in der Wertschöpfungskette einer Plattform. Jim Magats, CEO des aufstrebenden amerikanischen Datenaggregators MX betonte kürzlich in einem Interview mit Forbes: “Connectivity is just one of three factors that will determine who will win the financial data aggregation battle – the others being insights and experiences.”

Plattformen prozessieren grosse Mengen an Daten und sind dadurch ideal positioniert, um ihren Teilnehmern über Konnektivität hinaus zusätzlich datengestützte Mehrwertservices zu ermöglichen. Das kann z.B. die Kategorisierung von Transaktionsdaten (Data Categorization) in bestimmte Einnahme- oder Ausgabefelder für Finanzmanagement-Lösungen oder Kreditgeber sein. Aber auch die Anreicherung von Daten (Data Enrichment) durch eine Vielzahl von White-Label-Lösungen, die an die Plattform angebunden sind, ist möglich. Transaktionen können dadurch beispielsweise mit Firmenlogos oder CO2-Werten ergänzt oder Anlagen automatisch einem ESG-Check unterzogen werden. Die Fülle an Anwendungsmöglichkeiten und neuartigen Kundenerfahrungen ist riesig. Und Finanzakteure können sie alle mit einer einzigen Anbindung an eine Plattform effizient und zentral beziehen oder selbst anbieten – eine Art «API-Store» sozusagen.

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Mit besten Grüssen,
euer bLink Team